Langzeitbelichtung als kreatives Element

Was ist eine Langzeitbelichtung?

Als Langzeitbelichtung bezeichnet man eine Aufnahme von mehreren Sekunden Dauer. Aber eigentlich gibt es keine genaue Definition dafür, ab wann eine Belichtung als Langzeitbelichtung bezeichnet wird.

Langzeitbelichtungen werden eingesetzt, um zum Beispiel Bewegungsabläufe aufzuzeigen. Weiterhin bei schwachem natürlichen Licht, oder in technischen oder künstlerischen Bereichen. Sehr oft kommt die Langzeitbelichtung in der Landschaftsfotografie vor.

Bezeichnet wird sie an den Kameras oft mit „B“ oder „Bulb“, diese Bezeichnung kommt aus der Vergangenheit.

Früher wurden Kameras mit einem Blasebalg „Bulb“ als Fernauslöser betätigt. Bei modernen Kameras gibt es aber auch diverse weitere Modis, wo Belichtungen bis zu 30 Sekunden möglich sind.

Brauche ich eine spezielle Kamera für eine Langzeitbelichtung?

Prinzipiell funktioniert das mit jeder Kamera an der man die Belichtungszeit manuell oder halb manuell einstellen kann.

Sollte deine Kamera einen AV, TV oder M Modus besitzen, kannst du damit eine Langzeitbelichtung aufnehmen. Die meisten Kameras ermöglichen eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden.

Ob deine Kamera dafür geeignet ist, erfährst du aus deinem Handbuch zur Kamera.

Nützliche Ausrüstung für eine Langzeitbelichtung

Hier beschreibe ich aus meiner Erfahrung heraus welche Grundsätzlichen Dinge ich dabei habe, wenn ich Langzeitbelichtungen machen möchte.

Da wäre natürlich zunächst die Kamera und das Objektiv, in meinem Fall, da ich Landschaften fotografiere, meist mein Weitwinkel.

Des weiteren benötigst du ein stabiles Stativ, da du die hohen Belichtungszeiten nicht aus der Hand fotografieren kannst.

Für Belichtungen von mehr als 30 Sekunden benutze ich einen Funk Fernauslöser, diese gibt es schon recht preiswert zu kaufen.

Eine Taschenlampe ist sehr sinnvoll, da ich oft bei Dunkelheit in unwegsamen Gelände unterwegs bin.

Wenn du tagsüber Langzeitbelichtungen machst, dann natürlich einen ND Filter. (Hierzu lese auch meinen Artikel zum ND Filter)

Falls du mit ND Filter tagsüber unterwegs bist, empfiehlt sich ein App auf dem Handy um deine ungefähre Belichtungszeit voraus zu berechnen. Diese Apps sind meist kostenfrei im entsprechenden App-Store zu erhalten. Ich nutze hier ND Filter Timer.

Tips für eine erfolgreiche Langzeitbelichtung

Kenne deine Kamera und deren Einstellungen, nichts ist nerviger als bei Dunkelheit nach irgendwelchen Parametern der Kamera zu suchen.

Setze dich mit deinem Motiv auseinander, schaue vielleicht schon einmal tagsüber vorbei und wähle einen Standpunkt für deine Bildkomposition. Mache evtl. schon mal ein paar Testbilder.

Wenn du mit einer Spiegelreflexkamera unterwegs bist, nutze die Spiegelvorauslösung wenn dies möglich ist, um noch das kleinste bisschen verwackeln durch einen hochklappenden Spiegel zu vermeiden.

Plane nach Möglichkeit deine Bilder, schaue wann bei dir z.B. die blaue Stunde anfängt, wann du vor Ort sein musst. Dafür gibt es verschieden Apps die dir Helfen. Ich nutze sehr oft Sun Surveyor. Oder diese Webseite ist sehr hilfreich: Sonnenverlaufsanzeiger

Plane immer genug Zeit ein für den Aufbau der Kamera.

Ziehe dich warm, an das klingt vielleicht banal, aber je nachdem zu welcher Uhrzeit oder Jahreszeit du unterwegs bist kann es schon mal empfindlich kühl und feucht werden. Für letzteres habe ich auch immer ein Tuch dabei um evtl. mal die Linse trocken zu wischen falls sie beschlägt.

Sehr sinnvoll ist auch eine Auflage auf die man sich mal drauf setzen kann oder auf der man knien kann wenn die Kamera evtl. einen sehr tiefen Standpunkt hat.

Durchführung der Langzeitbelichtung

Aufbau des Stativs

nutze hierfür unbedingt einen stabilen Untergrund, jede Erschütterung hat negativen Einfluss auf die Bildqualität.

Setze deine Kamera auf das Stativ und wähle deinen Bildausschnitt. Wenn alles soweit passt muss fokussiert werden, hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Fokussieren mittels Autofocus:

Den Autofocus in der Dunkelheit zu nutzen, ist manchmal nicht ganz so einfach. Ich beschreibe eine Variante die bei mir immer wieder ganz gut funktioniert hat.

Ich nutze hierfür den Live View Modus und kontrolliere die Schärfe am LCD Display der Kamera.

Dafür nutze ich die Offenblende (niedrigster Blendenwert) am Objektiv und stelle den ISO Wert an der Kamera hoch. Nun lasse ich den Autofocus arbeiten.

Sobald der Bereich den ich möchte scharf ist stelle ich den Autofocus mittels Schalter am Objektiv ab und stelle wieder meinen gwünschten Blendenwert und die gewünschte ISO ein und mache mein Bild. Das muss nicht immer gut gehen, deshalb eine weitere Variante.

Manuelles fokussieren:

auch hierfür nutze ich den Live View Modus der Kamera wo ich bereits alle Werte (ISO, Blende) so eingestellt habe wie ich später das Bild fotografieren möchte. Im Live View vergrössere ich das Bild und nutze einen bestimmten Punkt (Ast oder evtl. ein Lichtkegel) und stelle diesen Scharf.

Fokussieren auf unendlich:

Bei vielen Objektiven hat man beim einstellen der Schärfe als Symbol eine liegende 8. Dies ist das Zeichen für unendlich, eine Einstellung bei dem also alles scharf abgebildet wird.

Nun so einfach ist es leider nicht, man muss sein Objektiv schon ganz gut kennen, denn diese Einstellung ist nur ein Anhaltspunkt meist liegt der genaue Punkt etwas vor dieser Einstellung.

Nehmt euch Zeit und probiert es bei eurem Objektiv aus. Es gibt Leute die machen sich eine Makierung aufs Objektiv. Ich habe mir diesen Punkt bei meinem Objektiv gemerkt und weiss genau wie ich es einstellen muss.

Wenn ihr eure Aufnahme gemacht habt, schaut euch das Histogramm (Hier gibt es einen Artikel von mir zum Thema Histogramm) eurer Kamera für das Bild an. Bewertet es, aber denkt daran ihr wollt evtl. das es etwas dunkler ist, man soll erkennen das es ein Bild ist das man in den Abendstunden oder der Nacht gemacht hat.

Bildideen für Langzeitbelichtungen tagsüber z.B. mit ND Filter

Bewegung der Wolken kann ein schöner Effekt in einem Bild sein, Belichtungen bis 60 Sekunden zeigen schön das ziehen der Wolken. Belichtet man länger dann wirkt der Himmel eher gleichmässig grau.

Wasser wie einen Schleier aussehen lassen, durch die längere Belichtungszeit wirkt fliessendes Wasser (Bach) oder welliges Wasser (Meer) wie ein Schleier, es erzeugt eine mystische Stimmung im Bild. Dies geht bereits ab einer sehr kurzen Belichtungzeit von z.B. 1 Sekunde.

Bevölkerungsreiche Plätze menschenleer machen, dies kann z.B. interessant sein wenn man Sehenswürdigkeiten oder Plätze in Städten Fotografieren will ohne das sich andere Personen auf dem Bild befinden. Hierzu benötigt man allerdings sehr hohe Belichtungszeiten.

Bildideen für Langzeitbelichtungen Abend / Nachts / Morgens

Lichtspuren von z.B. Autos oder anderen sich bewegenden Dingen die eine Lichtquelle haben (Light-Trails)

Feuerwerke

Sternenhimmel evtl. mit Milchstraße

Lichtmalerei mit Taschenlampen oder Wunderkerzen

Beleuchtete Industrie Anlagen, Städte etc.

Fazit

Wie ihr seht ist es nicht so schwer eine Langzeitbelichtung umzusetzen, wenn einige Dinge beachtet werden. Mit etwas Übung und dem Gespür zu merken wann ein Motiv für eine Langzeitbelichtung geeignet ist, werden auch dir eindrucksvolle Bilder gelingen.

Beispielbild Scharmützelsee

 

 

 

 

 

 

 

Heiko

Heiko

Mein Name ist Heiko Henschen, ich bin 49 Jahre und Hobbyfotograf aus Berlin. Die Fotografie beschäftigt mich mit Unterbrechungen schon seit meiner frühesten Jugend. Damals noch mit einer Analogen Spiegelreflexkamera meines Vaters inkl. dem selbst entwickeln von schwarz weiß Fotos in der Dunkelkammer. Heute bin ich mit einer Digitalen Spiegelreflexkamera unterwegs und meine Dunkelkammer heißt Photoshop.
Heiko

2 thoughts on “Langzeitbelichtung als kreatives Element

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