Wozu eigentlich einen ND Filter benutzen?

Was ist ein ND-Filter?

Wozu eigentlich einen ND Filter benutzen? Diese Frage habe ich mir früher oft gestellt, doch bevor wir diese Frage klären, schauen wir erst einmal was ein ND Filter überhaupt ist.

ND Filter auch Neutraldichtefilter oder Graufilter genannt, sind optisch vergütete Glas oder Kunststoffscheiben, die entweder als Schraubfilter direkt vor das Objektiv geschraubt werden oder mittels Stecksystem einfach vor das Objektiv gesteckt werden. Letztere bieten meiner Meinung nach einen entscheidenden Nachteil aber dazu später mehr.

Entscheidend bei ND Filtern ist, das sie homogen eingefärbt sind und somit die Farbwiedergabe nicht verfälscht wird. In der Praxis ist es allerdings so, das man genau schauen muss welchen Filter man sich kauft, hier hilft nur viel Erfahrungsberichte lesen und es sei gesagt, teuer heißt nicht gleichzeitig gut.

Diese Erfahrung habe ich gemacht. Hat man einen Filter der Farbverfälschungen verursacht, so müssen diese Zeit aufwändig in der Bildbearbeitung entfernt werden. Ein weiterer Tipp den ich geben kann, falls ihr euch einen ND Schraubfilter anschaffen wollt, kauft euch gleich einen großen Filter den ihr auf all euren Objektiven nutzen könnt. Ich arbeite hier mit Step Ringen um den Filter dann auch auf den kleineren Gewinden der Objektiven nutzen zu können, das ist allemal billiger als sich irgendwann wieder einen neuen Filter zu kaufen weil er für das neue Objektiv zu klein ist.

Kommen wir nun auf das eigentliche Thema zurück, wozu eigentlich einen ND Filter benutzen?

Wozu einen ND Filter benutzen?

Stellt euch folgende Situation vor, ihr möchtet an einem sonnigen Tag mit viel Licht ein Bild mit offen Blende machen, der Belichtungsmesser eurer Kamera sagt euch aber auch bei der kürzesten Belichtungszeit das ihr hoffnungslos überbelichtet seit. Iso Wert habt ihr auch schon so niedrig wie es geht.

Man könnte jetzt sagen dann schließe ich einfach die Blende, ja das wäre eine Möglichkeit, aber vielleicht möchte ich im Offen Blende Bereich mit schärfe -unschärfe Bereichen arbeiten. Das wäre eine Situation wo ein ND Filter beispielsweise eingesetzt werden kann. Es gibt weitere Situationen wo ein ND Filter Sinn macht, z.B. auf dem Beitragsbild hier habe ich das Wasser mittels ND Filter und einer hohen Belichtungszeit von 167 Sekunden glatt gezogen.

Ich hänge unten noch ein Bild an wo ich an der Ostsee auf der Insel Rügen ein Bild mit ND Filter gemacht habe.
Grundsätzlich kann man also sagen ein ND-Filter kommt immer dann zum Einsatz, wenn ich die einfallende Lichtmenge ins Objektiv begrenzen möchte.

An der Stelle möchte ich nochmals den Steckfilter und den meiner Meinung nach entscheidenden Nachteil ansprechen. Bei einem Vorsteckfilter kann ich nicht immer sicher sein das nicht doch bei ungünstigem Winkel zum einfallenden Licht, noch Licht von der Seite einfällt und unschöne Störungen im Bild verursacht oder meine voraus berechnete Belichtungszeit nicht stimmt.

Verschiedene Stärken der Filter

ND Filter gibt es natürlich in verschiedenen Stärken, je nach Einsatzzweck und Lichtmenge die begrenzt werden soll. Hier mal eine Tabelle mit den verschiedenen Stärken im Vergleich:

Neutraldichte, ND

Lichtdurchlässigkeit

Verlängerungsfaktor
Verschlusszeit oder
Filter „ND…X“-fach
Anzahl Blendenstufen
(Rastungen der Blende)

0,0

100,00%

1

0

0,3

50,00%

2

1

0,5

35,00%

3

1,5

0,6

25,00%

4

2

0,9

12,60%

8

3

1,0

10,00%

10

3,3

1,2

6,30%

16

4

1,8

1,60%

64

6

2,0

1,00%

100

6,6

3,0

0,10%

1000

10

4,0

0,01%

10000

13

5,0

0,001%

100000

17

6,0

0,0001%

1000000

20

7,0

0,00001%

10000000

23

8,0

0,000001%

100000000

27

 

Wie ich meinen Filter einsetze

Da ich viel Landschaftsaufnahmen mache und Bilder, grade wenn Wasser im Spiel ist, mit hohen Verschlusszeiten sehr mag, habe ich mich für einen ND 3,0 1000x Filter entschieden.

Anzumerken wäre hier noch das ein Autofokus ab einer bestimmten Filterstärke nicht mehr funktionieren kann. Bei meinem Filter ist auch kein manuelles fokussieren mit aufgeschraubten Filter möglich, da es praktisch dunkel im Sucher ist. Es kommen ja bei dieser Filterstärke nur noch ca. 0,10% der Ursprünglichen Lichtmenge im Objektiv an.

Ich erledige also alles vorher, Stativ aufbauen, Bildausschnitt wählen, fokussieren und erst dann den Filter aufschrauben. Für die Verschlusszeit benutze ich eine App Namens ND Filter Timer, mit Hilfe derer ich die ungefähre Belichtungszeit voraus berechne. Ungefähr deshalb, weil jeder Filter den man sich kauft eigentlich kalibriert werden müsste da die Filterstärke immer etwas unterschiedlich ist, aber das ist so gering und sind wir mal ehrlich, ich möchte fotografieren und mich nicht in irgendwelche Laborbedingungen vertiefen.

Meistens mache ich 2-3 Testbilder bis ich die für mich optimale Belichtungszeit gefunden habe. Auslösen tue ich das ganze mit einem Funk Fernauslöser im manuellen „Bulb“ Modus, da ich meist auf mehr als 30 Sekunden Belichtungszeit komme.

Es gibt Leute die behaupten man sollte auch den Sucher mittels Winkelsucher nach unten zum Boden verdrehen, da auch hier Restlicht einfallen könnte. Ich habe beides probiert und konnte bisher keinen Unterschied feststellen. Ich will es aber auch nicht ausschließen.

Fazit

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig Lust auf die Fotografie mit ND Filter machen, meiner Meinung nach, wenn die Motive passen, kann man sehr schöne Ergebnisse erzielen. Grade Bilder wo Wasser in Bewegung ist (Wasserfall, Wellen etc.) finde ich die Ergebnisse faszinierend.

Meiner Meinung nach gut einsetzbar in der Landschaftsfotografie, so kann man auch mal ein gutes Ergebnis zu Tageszeiten erzielen, wo man normalerweise keine Landschaftsbilder erstellen würde. Es ist auch jedes mal wieder eine Überraschung wenn ich mir die gemachten Bilder am Rechner zuhause anschaue.

Ein  Beispielbild von mir

Hier noch das angesprochene Bild was ich an der Ostsee gemacht habe, beachtet das Wasser, es wirkt grade im Ufer Bereich eher wie Nebel und erzeugt eine mystische Stimmung. Das Bild ist in den frühen Nachmittagsstunden so gegen 13:00Uhr im Hochsommer gemacht worden, also eher eine ungünstige Uhrzeit um Landschaftsfotos zu erstellen.

Daten zum Bild:  ND 3,0 1000x Filter, Blende f11, ISO 100, Weitwinkel 10mm an APS-C, Belichtungszeit: 30 Sekunden

Beispielbild ND Filter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiko

Heiko

Mein Name ist Heiko Henschen, ich bin 49 Jahre und Hobbyfotograf aus Berlin. Die Fotografie beschäftigt mich mit Unterbrechungen schon seit meiner frühesten Jugend. Damals noch mit einer Analogen Spiegelreflexkamera meines Vaters inkl. dem selbst entwickeln von schwarz weiß Fotos in der Dunkelkammer. Heute bin ich mit einer Digitalen Spiegelreflexkamera unterwegs und meine Dunkelkammer heißt Photoshop.
Heiko

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2 thoughts on “Wozu eigentlich einen ND Filter benutzen?

  1. Hallo Heiko,
    habe mir deinen Artikel jetzt genauer durchgelesen. Find ihn sehr informativ und für einen der mit ND Filtern noch so oft gearbeitet hat. Ich werde deinen Informationen versuchen richtig umzusetzen.

    Viel Dank
    Gruß
    Klaus
    Nord-Berliner Fotogruppe

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